15 Sätze, die aus simplen Texten geniales Storytelling machen

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Storytelling
Gute Geschichten sind für Menschen unwiderstehlich. Das hat die Evolution offenbar so vorgesehen. Richtig eingesetzt hilft dir Storytelling dabei, deine Leser zu fesseln, sie mit deinen Worten zu berühren und sorgt dafür, dass du Ihnen länger in Erinnerung bleibst. Alles von Neurowissenschaftern inzwischen erforscht und belegt. Aber leider sind wir nicht alle geborene Erzähler.

Inhaltsverzeichnis


In diesem Beitrag hab ich 15 dramaturgische Kunstgriffe zusammengetragen und diese in prototypische Sätze gegossen. 

Die werden dir den Einstieg in die Technik der Narration (aka Storytelling) erheblich erleichtern, weil du dadurch ratzfatz kapierst, worum es wirklich geht.

Und: Natürlich sollst du sie nicht 1 zu 1 übernehmen. Sondern: Sie können dir als Inspiration dienen, wie du deine Texte und PR-Pitches in Zukunft spannender machen kannst und damit auch den einen oder anderen Journalisten begeisterst. Aber genug erklärt. Jetzt gehts los.


1. Direkter Einstieg

„Er legte den Stift beiseite und schaute sein Gegenüber fragend an.“

Steige in deine Geschichte direkt ein. Ohne Verzögerung. Spar dir die Einleitung.

Auch wenn dir im Deutschunterricht vielleicht genau das Gegenteil beigebracht wurde. Lass deinen Text, egal ob er für deine Website, einen Newsletter oder deine Pressemitteilung bestimmt ist immer mit einem PENG beginnen. Lass es also krachen!

Jeder Journalist und Autor kennt diese Regel: Der erste Satz ist der wichtigste überhaupt. 

Wenn du zum Beispiel mit einer Beobachtung direkt in die Handlung springst, dann werden deine Leser viel eher dran bleiben. Warum? Nicht jeder Leser ist per se wissenshungrig. Aber neugierig sind wir Menschen allemal. 

Ein Anfangssatz wie der obige spielt mit dieser Neugier, weil er bewusst relevante Informationen weglässt. Wer ist der Mann mit dem Stift? Wer ist sein Gegenüber? Und wo befinden wir uns gerade? Vor dem geistigen Auge tauchen sofort mehrere Fragezeichen auf und die animieren zum Weiterlesen. 

Eine Szene haarklein zu beschreiben gehört definitiv zu den am häufigsten verwendeten journalistischen Stilmitteln, besonders wenn es sich um längere Textformate wie Reportagen handelt.

Der Leser wird dadurch direkt an den Ort des Geschehens versetzt und lernt die Protagonisten kennen.

Du kannst die Technik des sog. „szenischen Einstiegs“ auch bei Interviews anwenden und Journalisten statt nüchternen Antworten, wichtige Szenen aus deiner Vergangenheit beschreiben. Damit lieferst du ihnen das perfekte Futter für ihren Einstieg. Noch mehr darüber, wie wir Journalisten ticken, erfährst du in meinem Pressemitteilungs-Beitrag.

Storytelling Tipp 01: Mach keine Umwege. Spring sofort an den Punkt, wo es spannend wird.


2. Nutzer-Versprechen / Value Proposition

„Dranbleiben lohnt sich!“

Natürlich braucht jede Geschichte auch Erklärungen. Der Einstieg ist, wie wir erfahren haben, dafür zu schade. Mit dem soll der Leser in die Geschichte reingezogen werden.

Der Absatz danach ist allerdings ein guter Zeitpunkt mit der sogenannte Nutzer-Versprechen, engl. auch Value Proposition genannt, für Klarheit zu sorgen. 

Die klassischen Romanschreiber unter uns halten sich jetzt am besten die Ohren zu. Bei Gebrauchstexten allerdings ist dieser Kniff durchaus erlaubt. 

Aufmerksamkeit ist in unserer schnelllebigen Zeit ein teures Gut. Deshalb kommen auch die besten Storyteller unter uns Journalisten nicht umhin, den Leser frühzeitig aufzuklären, warum sich weiterlesen für ihn lohnt. 

Welche subjektiven Vorteile kann er sich erwarten? Weiß er nach der Lektüre mehr als andere? Fühlt er sich beim Lesen geborgen, zugehörig und verstanden? Kann er danach die Lage Dinge besser einschätzen?

Das limbische System, also das emotionale Zentrum des Gehirns, filtert sämtliche Informationen und Botschaften, die auf uns einprasseln, nach vier biologischen Grundprogrammen.

  • Gewinn vs. Verlust.
  • Verbundenheit vs. Einsamkeit 
  • Sicherheit vs. Unsicherheit
  • Fortschritt vs. Rückschritt

Diese Themen sind für das Überleben unserer Spezies entscheidend und werden deshalb bevorzugt wahrgenommen und konsumiert. Bewusst ist uns das natürlich nicht. Wirksam ist es trotzdem.

Storytelling Tipp 02: Finde eine Botschaft, die mitten ins Belohnungszentrum deiner Leser trifft!


3. Der ideale Held – Normalo+ 

„In der Oberstufe wurde ich von Lehrern als Dummkopf und Taugenichts abgestempelt, heute sitze ich im Chefsessel eines der erfolgreichsten Unternehmen des Landes.“

Jede gute Geschichte braucht einen Helden. Eine Identifikationsfigur, mit der man Höhen und Tiefen durchlebt. Erst durch diesen Prozess entsteht Empathie.

Dafür braucht es keine Übermenschen. Der Held muss nicht besonders sein. Ganz im Gegenteil. Normalos mit überraschenden Attributen sind die besten Helden überhaupt. Und weil wir Menschen nun mal soziale Wesen sind, ist auch die Darstellung eines Außenseiters eine bewährte Strategie.

Im Gegensatz zum Roman-Schreiber müssen sich Journalisten keine Gedanken machen, ob ihr Hauptcharakter für den Leser flach daherkommt.

Reale Figuren sind von Natur aus dreidimensional, man muss sie nur als solche zeigen. Und genau das ist dann auch die eigentliche Aufgabe, wenn man aus einem rein faktenbasierten Text eine gute Story produzieren will.

Storytelling Tipp 03: Ein vielschichtiger Held mit gegensätzlichen Charaktereigenschaften sorgt bei deinen Lesern für Empathie.


4. Gegensätze und Wandlungen 

„Eigentlich bin ich Bäcker“

Gegensätzen erzeugen Spannung und Neugier beim Leser. Menschen lieben Helden, die nicht in ihrem Schema bleiben und damit die Welt herausfordern. Die etwas tun, was für sie so nicht vorgesehen war.

Nicht umsonst zählen Geschichten der Wandlung zu den absoluten Klassikern des Storytelling: vom Tellerwäscher zum Millionär, vom Aschenbrödel zur Prinz-Gemahlin, vom Bambi zum König des Waldes. 

Widersprüche, Umstürze und Wendepunkte sind die Motoren, die die Handlung vorantreiben. Hat deine Geschichte einen starken Kontrast zu bieten, dann kannst du dir überlegen, deinen Text mit so einem „Es kam alles anders als gedacht“ zu beginnen.

Diese Technik nennt man auch erzählerischer Vorgriff. 

Steht eine Ausnahme von der Regel oder eine nicht vorhersehbare Wendung im Mittelpunkt des Textes, dann kann man gut und gern darauf hinweisen. Wenn aus dem Einstiegssatz „Eigentlich bin ich Bäcker“ im Verlauf der Geschichte ein Vorstandsvorsitzender wird zum Beispiel. 

So ein kalkulierter Vorstoß gegen eingerastete Erwartungen ist eine gute Strategie, die Aufmerksamkeit der Leser auf sich zu ziehen.

Storytelling Tipp 04: Suche nach Kontrasten und Widersprüchlichkeiten in deinem Plot und arbeite die Wandlung deines Helden heraus!



5. Emotionen 

„In Tränen aufgelöst, hockte ich mich auf den Boden“

Emotionale Trigger, das habe ich bereits beim Thema Nutzer-Versprechen erklärt, spielen im Storytelling eine große Rolle. Manche Autoren behaupten sogar: Emotionen beim Leser zu wecken, ist das Wichtigste, was eine Narration leisten muss. Gute Geschichten leben von Gefühlen. Euphorie, Trauer, Lust, Frust, Liebe und Hass.

Die hohe Kunst dabei ist es, starke Gefühle zu wecken, ohne sie plump zu benennen. Am besten funktioniert das, in dem man die Handlung des Helden beschreibt.

Was machen die Geschehnisse mit ihm? Welche Reaktionen lösen die Konflikte, Probleme und Hindernisse, mit denen er konfrontiert ist in ihm aus.

Durch die Beschreibung einer Bewegung (auf den Boden hocken), wird das eigentliche Gefühl (Traurigkeit/Verzweiflung) plastisch und geradezu körperlich heraufbeschworen.

Stehsätze wie „Nach meiner Entlassung war ich am Boden zerstört“ lösen keine Reaktion mehr aus, dafür sind sie viel zu abgedroschen. Das ursprünglich kraftvolle Bild hat seine Wirkung verloren. 

Wenn du möchtest, dass deine Leser mitfühlen, dann nimm sie mit in den Moment, damit sie selbst spüren können, wie groß die Verzweiflung wirklich war.

Storytelling Tipp 05: Vermeide es, die Gefühle deiner Protagonisten zu benennen, beschreibe lieber ihre konkreten Handlungen und was sie antreibt.


6. Details benennen

“Die Klinke zum Laden war abgegriffen, das Holz der Theke mit Kerben übersät und von den Wänden löste sich die 70er-Jahre Tapete.“

Gutes Storytelling braucht Szenen und die leben wiederum von Details. Wie sah der Raum genau aus? Wo befand sich der Protagonist? Wer war noch anwesend? All das braucht es, damit der Leser auch wirklich mitfiebern kann.

Unternehmer, die ihre Firmengeschichte aufschreiben, machen oft den Fehler, gerade hier mit Details zu sparen. Sätze wie „Klar hatten wir zu Beginn auch Probleme“, helfen dem Leser wenig weiter. Gerade hier könnte man detailgenau beschreiben, dass das erste Büro eigentlich nur ein finsteres Kabinett in der Wohnung war, unter einem für Gäste vorgesehenen Hochbett. Sich die offenen Rechnungen am kleinen Klapp-Schreibtisch aus der Studienzeit immer höher stapelten usw.“ Kopfkino bereits angeknipst? Na eben.

Aber Vorsicht! Zuviel Beschreibungen können deinen Text auch schnell langatmig und schwerfällig machen. Die Kunst besteht darin, Details auszuwählen, die etwas aussagen, die stellvertretend für etwas stehen. Den Charakter deines Helden, seine Passionen, seine Welt.

Storytelling Tipp 06: Spare dir Details für jene Momente, in denen es etwas besonders zu erzählen gibt.


7. Zeitlicher Ablauf 

„Zunächst waren es nur ein paar üble Bemerkungen – dann aber wurde ich vom Chef ins Büro zitiert.“

Eine weitere wichtige Regel, die Journalisten verinnerlicht haben. „Zwing deinen Leser nicht zum Nachdenken, nimm ihn an der Hand und führe ihn durch den Text“. Geschichten brauchen, damit sie überhaupt als solche gelten, eine Handlung. Wörter wie „zunächst“, „dann“, „wenig später“, „kurz darauf“ usw. strukturieren diesen Ablauf. Sie sind Wegweiser für den Leser und unterstützten ihn bei seiner gedanklichen Reise von A nach B. 

Achtung: Du solltest solche Wörter nicht im Kontext von Lebensläufen verwenden. Da wirkt es schnell so, als würdest du nur Stationen in deinem Leben herunterbeten. 

Zunächst genoss ich eine Ausbildung an der (Name eines Instituts / einer Schule XY) … und dann hatte ich das Glück, ein Praktikum bei (Name eines Unternehmens XY ) zu bekommen …

Auf „Über mich“ Seiten begegne ich diesem Phänomen leider sehr häufig. Glaub mir, das ist ein sicherer Weg, um potenzielle Kunden ganz schnell zu vergraulen. Also lass es sein!

Storytelling Tipp 07: Benütze Wörter, die deine Geschichte strukturieren und einen Ablauf ausdrücken.


8. Signalwörter nutzen

„Plötzlich wurde es ganz still im Saal“

Wörter und Floskeln wie „Plötzlich“, „Auf einmal“, „Wie aus dem Nichts“ – sind geschaffen fürs Geschichtenerzählen. Der Leser weiß dann sofort: „Hoppla, jetzt passiert etwas“ und ist ganz Ohr.

Die Geschichte nimmt an dieser Stelle eine Wendung und gewinnt an Fahrt. Etwas Unerwartetes, etwas Unerhörtes oder gar Unvorstellbares bahnt sich an. Es geht darum, einen echten Kontrast herzustellen.

Das Problem: Oft werden diese Signalwörter falsch eingesetzt. 

„Plötzlich stand meine Mutter in der Türe“ ist ausschließlich dann ein guter Satz, wenn es unerwartet war, dass sie auftaucht.

Deshalb: Benutze Signalwörter sparsam und auch nur, wenn der gewohnte Verlauf / die Handlung tatsächlich unterbrochen wird. Ansonsten wirkt es widersinnig.

Ein heißer Tag – wird von plötzlichem Regenschauer unterbrochen.

Ein lauter Mensa-Saal – in der es plötzlich ganz Still wurde.

Wenn du Signalwörter wie „plötzlich“ mit Bedacht verwendest, dann eignen sie sich wunderbar dafür, deinem Text mehr Tempo zu geben und danach die Handlung zu verdichten.

Wenn dir„Plötzlich etwas klar wurde“, dann lass die Leser tiefer in diesen Moment eintauchen. Nimm sie mit an den Ort, wo das passiert. Gehst du, stehst du, bist du alleine? Sitzt du an deinem Schreibtisch oder in einem faden Meeting? Wodurch wird die „plötzliche Erkenntnis“ ausgelöst? Und was passiert direkt im Anschluss?

Storytelling Tipp 08: Setze Signalwörter sparsam und an den richtigen Stellen ein, dann entfalten sie ihren vollen Effekt.


9. Eine Frage des Tempos 

„Ich rannte die darauffolgenden 5 Tage wie verrückt durch die Stadt, von einem Baumarkt zum anderen.“

Gute Storyteller spielen mit dem Tempo. Mal verlangsamen sie die Handlung, wenn etwas ganz Entscheidendes passiert und Zoom rein bis ins kleinste Detail. Ein andermal drücken sie auf die Tube und fassen die Vorgänge wie in meinem Beispiel oben zu einem großen Ganzen zusammen. 

Wichtig: Wenn du diese Fast-Forward-Technik verwendest, musst du trotz Zusammenfassung versuchen, möglichst konkret zu bleiben. 

Viele tendieren zum Fehler, Dinge nicht eindeutig genug zu beschreiben, und lassen dann Aussagen wie „Die darauffolgenden Monate waren schwierig“ einfach so stehen.

Wenn das in Interviews passiert, kann ich als Journalistin gar nicht anders, als genau an dieser Stelle nachzuhaken? Wie sah diese schwere Zeit denn konkret aus? Was war der rote Faden, der sich durchzog?

Konkrete Beschreibungen erzeugen Bilder im Kopf, die dem Leser dabei helfen zu verstehen. Du musst nicht ins Detail gehen, aber das große Ganze benennen.

Storytelling-Tipp 09: Fasse Handlungen zusammen, um Tempo zu gewinnen, zoome ins Detail, wenn du die Handlung im entscheidenden Moment verlangsamen willst.


10. Direkte Rede einbauen

„Du hast keine Ahnung von dem, was du tust“ sagte er.

In spannenden Texten kommen Menschen zu Wort. Dialoge machen Geschichten aktiver. Es entstehen dann Szenen, an denen der Leser interaktiv teilnimmt.

Aber Vorsicht – mit einem beliebigen Allerweltszitat tust du deiner Geschichte nichts Gutes. Wenn jemand etwas sagt, dann sollte es auch wert sein, berichtet zu werden oder ein klares Bild von seinem Charakter erzeugen. Eine starke Ansage, eine kontroverse Meinung, eine verblüffende These oder ein schlauer Gedanke.

Bei mir landen total oft Pressemitteilungen, bei denen genau dieser Fehler gemacht wird. 

Wenn die Geschäftsführerin Annika Mayer sagt: „Die Eröffnung unseres Shops war ein voller Erfolg“, dann holt das niemand hinter dem Ofen hervor. Das ist langweilig und klingt nach schlechter generischer PR.

Storytelling-Tipp 10: Baue Dialoge und aussagekräftige Zitate in deine Story ein, das wertet sie auf.


11. Offene Fragen stellen

„War das schon alles gewesen?“

Noch so ein Kniff aus der Rhetorik, den man als Geschichtenerzähler gut für sich nutzen kann. Offene Fragen sind wie Juckreiz. Den Menschen fällt es extrem schwer, sie zu ignorieren. Deshalb sind sie gute rhetorische Mittel, um Spannung und Antizipation beim Leser zu erzeugen. 

Wichtig zu wissen: Fragen entfalten ihre Wirkung nur dann, wenn die Antworten darauf nicht klar sind, wenn sie dem Leser Platz für eigene Gedanken und Überlegungen geben.

„Sollte ich meinen Traum vom eigenen Business einfach aufgeben?“ Oder: „Wie hätte ich das Problem auf andere Weise lösen können?“

Fragen wie diese Sorgen für einen Moment des Innehaltens und Reflektierens. Sie fassen die bisherige Handlung zusammen und dienen als Überleitung in den nächsten Teil.

Storytelling-Tipp 11: Setze an den richtigen Stellen ganz bewusst offene Fragen ein, um einen eleganten Übergang zu schaffen.


12. Das Wörtchen ABER 

„Aber dann kam alles anders“

Gegensätze, das haben wir weiter vorne schon gelernt, sind ein Klassiker des Storytellings und deshalb spielt das kleine Wörtchen in guten Geschichten auch eine große Rolle. Weil: Mit ABER lassen sich Widersprüche und Kontraste ganz einfach beschreiben, ohne dass der Erzähler lange ausholen muss. 

Wenn man über jemanden sagen kann. „Herr Müller ist ein großer Tierfreund, aber Katzen hasst er.“ Dann provoziert uns das regelrecht. Wir finden solche Gegensätze faszinierend. 

Storytelling Tipp 12: Nutze das Wörtchen ABER um Gegensätze, Widersprüche und nicht partizipierte Wendungen aufzuzeigen.


13. Wendepunkte / Plot Points

“In letzter Sekunde schaffte er es, den Sicherheitsgurt zu lösen und aus dem Fenster zu klettern, bevor das Auto in Flammen aufging.“

Aus der Narrationsforschung weiß man, dass es mindestens zwei Wendungen braucht, damit eine Erzählung als Geschichte wahrgenommen wird.

Einen Wendepunkt zu Beginn, wenn der Protagonist seine gewohnte Umgebung, sein sicheres Nest verlässt und einen Höhepunkt gegen Ende auf den alles zuläuft. 

Man kennt diese Drei-Akt-Struktur als typischen Plot von Hollywood-Movies. 

Der Held der Geschichte muss zunächst unzählige Hindernisse überwinden und Prüfungen bestehen, Rückschläge und Niederlagen einstecken. Sein Ziel rückt in immer weitere Ferne.

Wir leiden und bangen mit ihm mit, bis die Katastrophe schließlich nicht mehr aufzuhalten scheint. Und dann: Geht die Sache doch gut aus!

Storytelling Tipp 13: Bedien dich für dein Storytelling bei Plot-Klischees. Was in Hollywood gut funktioniert, kann für deine Texte nicht schlecht sein.


14. Offenbarung – Epiphanie 

„Auf einmal wusste ich, worauf es wirklich ankommt.“

Offenbarungen, Epiphanie oder plötzliche Eingebung: Erkenntnisgewinn ist auch eine Form der Wandlung und zieht in Geschichten immer gut.

Du glaubst mir nicht? Dann schlag einmal ein Magazin auf und du wirst staunen, wie viele Features und Porträts mit einer irgendeiner Art Erkenntnis enden, einem intellektuellen und spirituellen Wachstumsprozess. 

„Früher hatte ich keine Ahnung, heute weiß ich, wie der Hase läuft.“ Oder: „Ich habe meine falschen Werte hinter mir gelassen und bin jetzt erleuchtet!“

Wir Journalisten lieben solche Entwicklungsgeschichten.

Geschichten verfolgen sehr oft den Zweck, bestimmte Botschaften anzubringen. Die darin geschilderten Erlebnisse und Gedanken dienen lediglich als Vehikel, um das Publikum auf die gleiche Seite zu ziehen. Damit auch sie die übergeordnete Message des Autors verstehen.

Storytelling Tipp 14: Kannst du von einer überraschenden, bahnbrechenden oder bewusstseinsverändernden Erkenntnis berichten, dann setze diese strategisch als Plot Point ein!


15. Tiefere Sinn – die Moral von der Geschichte

„Seither habe ich keine Probleme mehr mit meinem Selbstwertgefühl.“

Noch so ein Kunstgriff, den jeder gute Storyteller können muss. Am Ende eine Schlussfolgerung ziehen – die „Moral von der Geschichte“, wie es der Volksmund nennt.

Schließlich soll sich das Mitleiden und Mitfiebern, die vielen Höhen und Tiefen für alle Involvierten ausgezahlt haben, den Leser selbstverständlich miteingeschlossen.

Uns Menschen interessiert der tiefere Sinn einer Geschichte, der gehört zur Abrundung des Spannungsbogens dazu. Ansonsten fühlt sich unser limbisches System um seine Belohnung betrogen.

Wenn dein Leser das Gefühl hat, er kann sich aus deiner Geschichte etwas Wichtiges für sein Leben mitnehmen, dann hast du definitiv gewonnen.

Storytelling Tipp 15: Vermittle deinem Leser zum Schluss eine sinnstiftende Erklärung.